Die Küchenpapierrollenproblematik

Ich gehe in die Küche und schon wieder strahlt sie mich an: Die leere Küchenpapierrolle. Ich habe ein praktisches Gestell, wo diese Küchenpapierrolle aufgehängt ist. Ich habe massenhaft Küchenpapierrollen im Vorratsschrank, da ich jedes Mal, wenn ich an einer Aktion vorbeilaufe, Küchenpapier kaufe, statt WC-Papier, welches mir dann manchmal fehlt. Jedenfalls wäre für Nachschub gesorgt. Allerdings schafft es der Nachschub dann jeweils nur gerade neben, resp. in diesem Fall unter die Aufhängevorrichtung. Es ist aber auch überaus bemühend, kurz den Deckel aufzumachen, Stange rauszunehmen, leere Küchenpapierrolle rauszunehmen, neue einzusetzen und wieder zuzumachen. Dabei ist zu beachten, dass dieser Vorgang doch immerhin vier Schritte mehr aufweist als dieselbe Aufgabe im Haus eines Freundes mit banalem Küchenpapierrollenständer: Alte Rolle weg, neue rauf. Nichtsdestotrotz herrscht in seinem Haus dieselbe Problematik.

kitchen role_smSeit er und ich diese Übereinstimmung in unseren Haushalten festgestellt hatten, schickten wir uns regelmässig Fotos von leeren Küchenpapierrollen mit danebenstehender – natürlich bereits angefangener – neuer Küchenpapierrolle. Somit konnten wir feststellen, dass wenigstens in unseren Haushalten die Küchenpapierrollenproblematik ein durchaus ernst zu nehmendes Phänomen ist. Da das Wort „Küchenpapierrolle“ länger ist als eine abgerollte Küchenpapierrolle, kürzen wir das doch mal ab mit KPR.. Messungen haben ergeben, dass die Zeit, welche die KPR leer an der Wand hängt oder im Ständer (zusammengefasst: Spender) steht, umgekehrt proportional ist zur Zeit, die es benötigt, eine KPR aufzubrauchen. Das bedeutet, je schneller eine Rolle aufgebraucht ist, desto länger bleibt das nackte Kartonrohr im Spender. Dies geht sogar so weit, dass einige KPRs es gar nie auf den Spender schaffen. Die Rolle ist leer, bevor das Kartonrohr ihrer Vorgängerin entfernt wurde.

Seltsamerweise taucht dieses Phänomen nicht bei WC-Papierrollen auf, wahrscheinlich aufgrund der erhöhten Dringlichkeit. Ok, wer aufgepasst hat, der weiss, dass es bei mir vorkommen kann, dass dann plötzlich eine KPR im WC hängt, weil ich wieder die falsche Aktion eingekauft habe. Immerhin, es hängt Papier dort, keine leere Rolle. Höchstens auf öffentlichen Toiletten kann man beobachten, dass leere Rollen nutzlos im Spender rumhängen, während ihre Kolleginnen unordnungsgemäss unaufgehängt schrumpfen. Aber auf öffentlichen Toiletten herrscht sowieso oft der Ausnahmezustand, doch das ist eine andere Geschichte.

Die Frage ist nun aber: Wie kann man die KPR-Problematik beseitigen? KPR-Hersteller versuchten, ihr Produkt zu entproblematisieren, indem sie halbsogrosse Abrisseinheiten entwickelten mit dem Ziel, die Lebensdauer, der sich auf dem Spender befindenden KPR, zu erhöhen. Erfolglos, denn nun riss man einfach zwei Küchenpapierblätter ab statt einem. Die Lebensdauer der KPR blieb also gleich und der Konsument verlor das Vertrauen in die Hersteller, weil er gefühlt mehr Papier verbrauchte. Seither haben die Hersteller jegliche Massnahme gegen die KPR-Problematik unterlassen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als die Lösung selber zu entwickeln. Ein Warnsystem ähnlich desjenigen, welches im Auto losgeht, wenn man sich nicht gleich angurtet. Der Alarm geht analog seines Vorbildes erst aus, wenn ich meiner Pflicht nachkomme und eine KPR mit mindestens einem Blatt Papier darauf einlege.

Dass diese Lösung nicht ganz durchdacht war, bekam ich letztes Wochenende nach Ladenschluss zu spüren. Verfolgt von nervtötendem Gebimmel rannte ich in die Vorratskammer und stellte mit Schrecken fest: Ich hatte zur Abwechslung mal nur WC-Papier gekauft.

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