I see – you see

Oh, I see!‘ Leider ist diese Aussage manchmal ziemlich weit von der Wahrheit entfernt. Wie ich Australien und seine Bewohner durch meine Schweizer Augen sehe, so sehen die Australier ihre und andere Welten mit Australischen Augen. Interessant wird es dann, wenn die anderen Welten durch Augen von anderen Leuten wahrgenommen werden (etwa so, wie ich meine Beobachtungen von meinem Schweizer Hirn verarbeitet an Eure Schweizer Vorstellungen weitergebe).

Kürzlich sprachen wir in einer Vorlesung über Gemüse. Die Dozentin erzählte von ihrem Aufenthalt in der Schweiz und dass dort ALLE Leute Gemüse in ihren Gärten anpflanzen. Sie habe sich erkundigt, warum Gemüse und nicht Blumen, was ja viel schöner wäre. Die Schweizerin habe darauf geantwortet, dass sie die Blumen auch auf dem Markt kaufen könne. Es spiele ihr keine Rolle, woher die Blumen importiert. Doch beim Gemüse, das man ja schliesslich isst, kenne man die Faktoren nie (Frische, Chemie, Genmanipulation, etc.), ausser man pflanze und ernte es eben selber. Dem Einspruch einer Studentin, dass es wegen der Abgase aber auch nicht unbedingt gesund sei, wenn man Gemüse direkt an der Strasse anpflanzt (dass die Schweiz nicht soviel Platz hat wie Australien und deshalb die Gemüsebeete zwischen Haus und Strasse sind, darüber wurden wir bereits vorher informiert), entgegnete unsere Lehrerin, dass da gar keine Autos auf den Strassen seien, weil im Dorf alles verkehrsfreie Zone sei. Ich staunte und wünschte, ich könnte dieses Land auch einmal sehen!!! Natürlich schwieg ich (in dieser Klasse weiss niemand, dass ich Schweizerin bin) und liess den anderen die Illusion über dieses perfekte, kleine Land, wo sich jeder selber aus dem Gemüsegarten ernährt und es in den Wohngegenden keinen Verkehrslärm oder -abgase gibt, weil ja eh niemand zum Supermarkt fahren muss, wenn man sein Gemüse direkt vor der Haustüre ernten kann… (…und wahrscheinlich mit Zöpfen und Kopftuch auf dem Ochsenkarren zum Markt fahren.)

Doch kann ich ja niemandem einen Vorwurf machen. Ihr denkt wahrscheinlich nach meinen Erzählungen auch, dass die Australier ein biertrinkendes, übergewichtiges, rauhes Volk ist, das so verschlossen ist, dass ihre Häuser nicht mal Vordertüren haben. Worüber einige vielleicht sogar froh sind, denn das schreckliche Leben in den Häusern, ohne Heizung zwischen Flöhen, Kakerlaken und Spinnen, kann nur durch den übermässigen Gebrauch von Kosenamen und ungesundem Essen erträglich gemacht werden. (Entspricht ja auch ganz den Tatsachen).

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