Psychogramm eines Drummers

Rolling Stones. Guns’n’Roses. Patent Ochsner. Nenn mir den Sänger einer jeder dieser Bands!

drummer

Mick Jagger (wurde sogar mal Sexiest Man Alive; wer auch immer da in der Jury sass), Axl Rose (wurde hoffentlich nie Sexiest Man Alive) und sogar mein Vater kennt den Büne Huber, obwohl diesem der Sexiest Man Alive verwehrt bleiben wird wegen fehlender Bekanntheit in den USA.

Soweit, so gut. Nun nenn mir die Gitarristen dieser Bands! Schon etwas schwieriger, was? Slash kennt natürlich jeder, der schon mal was von Guns’n’Roses gehört hat. Keith Richards kennen vielleicht noch diejenigen, welche die Stones toll finden. Der von Patent Ochsner? Keine Ahnung. Aber immerhin kannte ich die vorher genannten, obwohl ich die Stones nicht mal sonderlich mag.

Und jetzt mal ehrlich: Wer von euch kennt den Namen des Schlagzeugers dieser Bands? Ich kenne keinen. Gibt es da überhaupt Schlagzeuger? Und da haben wir den Widerspruch. Das Schlagzeug ist das lauteste Instrument auf der Bühne; die Person dahinter wird aber kaum wahrgenommen.

Der Schlagzeuger unserer Band zum Beispiel ist einer der verlässlichsten Spieler unter uns. Glaube ich zumindest. Mir fällt nämlich immer nur auf, dass er da ist, wenn nur noch die Hälfte des Schlagzeugs zu hören ist, nachdem ihm einer seiner Drumsticks aus der Hand gefallen ist. Auf der Bühne sind Schlagzeuger die meiste Zeit von ihren Trommeln und Becken verdeckt und dadurch, dass sie sitzen, ist der Interaktionsraum mit dem Publikum äusserst beschränkt. Das einzige was ihnen bleibt, ist, den Drumstick cool in ihrer Hand kreisen zu lassen und dabei ab und an zu verlieren. Wobei, das will ich unserem Schlagzeuger gar nicht unterstellen, weil ich bemerke ihn ja jeweils erst nach dem Verlust des Schlägers.

Wie muss die Psyche einer Person aussehen, welche das lauteste und mächtigste der Instrumente bedient und trotzdem nicht wahrgenommen wird? Würde irgendjemand von uns an Bill Kaulitz vorbei gehen ohne ihn zu erkennen? Nein. Am Schlagzeuger von Tokio Hotel? Wohl schon. Ich wüsste weder wie der heisst, noch wie er aussieht, obwohl ich eingestehen muss, einmal eine zweistündige Doku über die Jungs geschaut zu haben. Seien wir mal ehrlich: Um auf der Strasse erkannt zu werden, müssen Schlagzeuger entweder singen können wie Phil Collins und Ringo Starr oder sich durch fehlende Gliedmassen auszeichnen wie der Schlagzeuger von Def Leppard, dessen Name ich zugegebenermassen trotzdem nicht kenne.

Wen schaut das Publikum an? Die Sänger! Obwohl die – und da rede ich wieder von der eigenen Band – unter Umständen am wenigsten an Übungsaufwand und auch finanziell in ihre Instrumente investieren. Unfair! Allenfalls guckt man noch auf die Gitarristen, die zwischendrin ein Solo schrummen. Die Bassisten? Auch eher unauffällig. Doch die Drummer sind nicht nur unauffällig, sondern auch noch zuhinterst auf der Bühne und vom Blick des Publikums durch ihr eigenes Instrument abgeschottet.

Gerne würde ich mal ein Psychogramm eines Drummers machen. Ich bin sicher das Lied „Invisible Man“ von Queen wurde von deren Schlagzeuger komponiert, dessen Name ich selbstverständlich trotz seines weltberühmten „Bamm, bamm, Tscha“ aus „We Will Rock You“ auch nicht kenne.

Ehrlich, dieser offensichtliche Zwiespalt ist doch spannend! Ich sitze ja an der Quelle. Frage ich doch mal unseren Drummer. Wenn ich nur wüsste, wie der heisst!

2 Gedanken zu “Psychogramm eines Drummers

  1. Und hinzu kommt noch, dass der arme Drummer wohl die schlechteste Aussicht hat von allen… denn er sieht die ganze Zeit die anderen Bandmitglieder von hinten…

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